Merkmale des PCOS

Störungen im Monatszyklus

Ein durchschnittlicher Monatszyklus dauert 28 Tage, kann aber schwanken zwischen 21 und 35 Tagen. Ein ganz entscheidender Teil des Monatszyklus ist die Bildung eines Eibläschens (Follikel). Es reift auf einem der beiden Eierstöcke heran bis es zum Eisprung (Ovulation) kommt. Dieser besondere Vorgang ereignet sich in der Mitte zwischen zwei Monatsblutungen, typischerweise am 14. Tag des Monatszyklus. Beim Eisprung platzt das Eibläschen und die darin befindliche Eizelle wird in den Eileiter gespült, dort erwartet die Eizelle die Samenzellen für die Befruchtung.

Bei Frauen, die unter dem PCOS leiden finden sich erhöhte männliche Hormone (Androgene) und oft auch erhöhte Insulinwerte (Insulin ist das Hormon, das für den Transport von Blutzucker in die Zelle zuständig ist). Dies führt zu einer Störung der Eibläschenentwicklung und der, für die Schwangerschaftsentstehung so wichtige Eisprung, kann komplett ausbleiben oder nur in manchen Monaten vorkommen. Die Störungen äußern sich durch eine Verkürzung des Monatszyklus oder durch eine Verlängerung des Zykluses über 35 Tage. Darüber hinaus kann es zu Zwischenblutungen oder verstärkten Menstruationsblutungen kommen, manchmal bleibt die Regelblutung völlig aus oder, es treten weniger als 8 Menstruationsblutungen pro Jahr auf.

Verstärkte Körperbehaarung

Eine verstärkte Körperbehaarung (Hirsutismus) entsteht ebenfalls durch die Wirkung der männlichen Hormone auf die Haarfollikel. Die Haare werden dicker und dunkler und finden sich verstärkt an den Stellen, die sonst für Männer typisch sind: Oberlippe, Kinn, um die Brustwarzen, am Unterbauch, an der Innenseite der Oberschenkel, zwischen den Brüsten, auf dem Rücken etc. Bis zu 60% der betroffenen Frauen sind von einem vermehrten Haarwuchs betroffen. Besonders stark betroffen sind Frauen mit einem dunkleren Hauttyp (z.B. Frauen aus dem  Mittelmeerraum, Sri Lanka, Indien)

Haarausfall

Während diese Mechanismen dazu führen, dass am Körper die Haare verstärkt wachsen, so fallen die Kopfhaare dadurch vermehrt aus. Schuld daran sind wieder die erhöhten männlichen Hormone, die eine verstärkte Wirkung am Haarfollikel ausüben. Voraussetzung für die Entstehung der Alopezie (Glatze) ist das Vorhandensein des Enzyms 5a-Reduktase in den Haarfollikeln. Enzyme (Fermente oder Katalysatoren) sind Eiweiße, die bestimmte biochemische Reaktionen im Körper erleichtern und beschleunigen können. Das Enzym 5a-Reduktase wandelt das Testosteron (männliches Geschlechtshormon) in die aktive Form 5aDHT um (stärkstes männliches Hormon im menschlichen Körper). Wie empfindlich die Haarfollikel jeder Frau bzw. jedes Mannes, auf diese männlichen Hormone reagiert, ist angeboren festgelegt. Dies erklärt, warum dieses Problem in manchen Familien gehäuft auftritt. Die männlichen Verwandten dieser Frauen haben oft eine Glatze (Alopezie).
Von Haarausfall (Effluvium) sprechen wir, wenn täglich mehr als 100-150 Haare ausfallen und wenn es einen deutlichen Unterschied gibt zwischen der Zahl der Haare, die verloren gehen und denen, die nachwachsen. Den Haarausfall kann man selbst durch einen „Haarkalender“ erfassen. Mann sollte an zumindest 3 Tagen, alle Kopfhaare die ausfallen sammeln und zählen. 40% aller Frauen und 44% aller Männer verlieren täglich mehr als 100 Haare. Gehen 60% oder mehr aller Haare verloren, ist der Zustand der Haarlosigkeit, die man auch als Alopezie bezeichnet, erreicht. Ein Haarausfall bei Männern wird gesellschaftlich meistens gut akzeptiert. Für eine Frau bedeutet dies jedoch oft ein Stigma und kann zu psychischen Problemen und zu einer deutlichen Reduktion der Lebensqualität führen.

Fettige Haut und Akne

Bei Frauen mit PCOS führen die erhöhten männlichen Hormone auch zu einer verstärkten Talgbildung der Hautdrüsen. Dies kann zu einer fettigen Haut (Seborrhoe) und Akne führen. Akne ist während der Pubertät durchaus normal, Frauen mit PCOS leiden jedoch unter einer stärkeren Form, die auch noch Jahre nach der Pubertät bestehen bleiben kann. Hier hilft nur eine richtige und rechtzeitige Behandlung so bald wie möglich. Bekommt eine Patientin keine oder eine unzureichende Behandlung kommt es oft zur Entstehung von Aknenarben die sich später kaum behandeln lassen.

Eingeschränkte Fruchtbarkeit

Die Störungen des Monatszyklus zeigen sich bei PCOS-Patientinnen erst nach und nach. Die meisten Patientinnen haben zunächst normale Blutungen, erst später treten Zyklusstörungen auf und der Eisprung bleibt aus. Eine spontane Schwangerschaft ist insbesondere bei jungen Frauen noch möglich. Später im Leben kommt es durch den Überschuss an männlichen Hormonen und durch das Ausbleiben des Eisprungs oft zu einer Einschränkung der Fruchtbarkeit. Manche Frauen mit PCOS haben außerdem ein erhöhtes Risiko für eine Fehlgeburt. Allerdings bedeutet das nicht, dass Frauen mit PCOS keine Kinder bekommen können. Viele werden spontan schwanger oder es hilft schließlich eine Kinderwunschbehandlung zum Wunschkind. Besonders wichtig ist: Übergewicht wirkt sich besonders schlecht auf die Erfüllung des Kinderwunsches aus. Immerhin sind 50-70% aller Frauen mit PCOS übergewichtig, sie profitieren besonders von einer Gewichtsabnahme sowie von regelmäßiger sportlicher Betätigung. Dies erleichtert das Eintreten einer Schwangerschaft ungemein.

PCOS und Psyche

Das PCO – Syndrom ist eine chronische Krankheit, die für das Selbstbild und das Selbstvertrauen der Frau eine große Belastung darstellt. Insbesondere kämpfen die Patientinnen mit den kosmetischen Probleme durch die verstärkte Behaarung, die Akne und den Haarausfall, aber auch das Übergewicht und die ungewollte Kinderlosigkeit beeinträchtigen das physische und psychische Wohlbefinden sehr. Viele Frauen ringen mit ihrer Weiblichkeit, fühlen sich unattraktiv und haben ein gestörtes Sexualleben. Es ist nur gut verständlich, dass es zu starken  Stimmungsschwankungen und Depressionen kommen kann. Die Folge davon ist oft eine soziale Isolation. Wenn Sie selbst unter diesen Symptomen leiden, zögern Sie nicht ärztlichen Rat zu suchen oder nehmen Sie die Hilfe eines Psychologen an. Oft haben die betroffenen Frauen durch das geringe Selbstwertgefühl weniger Motivation und Ausdauer ihre Lebensweise zu ändern. Es fällt ihnen schwer mehr Sport zu treiben oder sich gesund zu ernähren. Es ist äußerst wichtig über diese Probleme zu sprechen! Das Gespräch ist der erste erfolgreiche Schritt im „Kampf“ gegen das PCOS.

Schlafstörungen

Insbesondere die PCOS Patientinnen mit Insulinresistenz und Übergewicht neigen zur Entwicklung des sog. Schlafapnoe-Syndroms. Hier kommt es zu einem teilweisen Verschluss der oberen Atemwege während des Schlafes durch Druck des Fettgewebes am Nacken. Die Betroffenen haben während des Nachtschlafes Phasen in dehnen sie keine Luft bekommen. Diese Atemstillstände (Apnoen) führen zu einem Sauerstoffmangel und wiederholten Aufweckreaktionen des Körpers während des Schlafes, als eine Notfallreaktion darauf. In Rahmen einer Aufweckreaktion kommt es typischerweise zum Stress und z.B. zu einem Pulsanstieg, man wacht allerdings meistens nicht auf. Diese Unterbrechungen im Schlaf führen aber zu einer Tagesmüdigkeit und oft zu einem unwiderstehlichem Bedarf nach Schlaf am Tage, der auch zum Sekundenschlaf führen kann. Diese besondere Schlafstörung führt zu Erschöpfung und Müdigkeit und reduziert die gesamte Lebensqualität.