Orale Kontrazeptiva und HRT Präparate

Grundlage der Behandlung ist die Reduktion der Androgenproduktion im Ovar und in der Nebenniere sowie die Blockade der Androgenwirkung am Erfolgsorgan. Eine Suppression der ovariellen Androgenproduktion wird durch Hemmung der LH-Sekretion durch die Anwendung der Östrogen-Gestagenkombinationen erzielt. Jede Pille sinkt den Testosteronwert um ca. 30-60%, allerdings sind unter antiandrogenen Gestagenen noch bessere Ergebnisse zu erwarten.

Gestagene können in 3 große Gruppen eingeteilt werden: Gestagene mit androgener Wirkung (Levonorgestrel [LNG]), Gestagene mit antiandrogener Wirkung und Gestagene ohne androgene Aktivität (Gestoden [GSD] und Desogestrel [DSG]). Zur Zeit sind vier Gestagene mit antiandrogener Wirkung erhältlich: Cyproteronacetat (CPA), Dienogest (DNG), Drospirenon (DRSP) und Chlormadinonacetat (CMA). Ihr therapeutischer Effekt hängt von der Affinität zum Androgenrezeptor, von der Bindungsaffinität für SHBG, von dem Einfluss auf die Aktivität der 5-α Reduktase und von der Erhöhung der Androgenclearance in der Leber ab. Abhängig von der Art des Gestagens kann es weiterhin zu unterschiedlichsten Interaktionen mit der Östrogenkomponente kommen. Dadurch können unter anderem die Proteinsynthese (auch SHBG Synthese) in der Leber sowie östrogenbedingte Veränderungen der Lipid- und der Kohlenhydrathomeostase beeinflusst werden. In den letzten Jahren wurde deshalb oft über die mögliche Erhöhung des kardiovaskulären Risikos bei den PCOS-Patientinnen durch die oralen Kontrazeptiva diskutiert. Allerdings fehlen bis jetzt Studien, die einen negativen Einfluss auf die kardiovaskuläre Situation unter neuen, niedrig dosierten OC-s mit antiandrogenen Gestagenen, bestätigen könnten (Fruzzetti F et al 2010). Das Risiko für venöse Thromboembolien steigt unter Pille. Falls weitere Risikofaktoren wie z.B. Adipositas (BMI > 35 kg/m²) vorliegen, ist die Pille absolut kontraindiziert.

Für ältere Patientinnen, oder Patientinnen ohne Kontrazeptionsbedarf, sollten bevorzugt Präparate mit natürlichen Östrogenen eingesetzt werden.

Eine Option für Frauen mit Kontrazeptionsbedarf ist auch die neue Verhütungspille, in der Estradiolvalerat in Kombination mit Dienogest eingesetzt wird.

Als Östrogen können sowohl Ethinylöstradiol (EE2) als auch Östradiol/Östradiolester eingesetzt werden. Unter Estradiol steigt das SHBG allerdings nur leicht an.

Bei der niedrigdosierten Standardtherapie werden 2 mg CPA mit 35 µg EE2 vom Zyklustag 1 bis 21 verabreicht. Ist diese Dosierung nicht ausreichend, so kann die Dosis von CPA auf 10 mg bzw. 50 oder 100 mg erhöht werden.

Akne und Seborrhoe sprechen meist sehr schnell auf die Behandlung an; bereits nach 1-3 Monaten kann eine deutliche Besserung des Beschwerdebildes beobachtet werden. Reicht die hormonelle Behandlung nicht aus, kann sie mit anderen systemischen oder lokalen Therapien kombiniert werden. Eine deutliche Verbesserung des Hirsutismus wird meist erst nach 6-9 Monaten verzeichnet. Bei mangelnder Wirksamkeit oder bei Unverträglichkeit der Therapie mit CPA sind Therapieversuche mit einer Kombination aus Chlormadininacetat oder Drospirenon und EE2 indiziert.

Unter dieser Behandlung kommt es zu regelmäßigen Abbruchblutungen, so dass gleichzeitig die Gefahr einer Endometriumhypertrophie reduziert wird und die starken Durchbruchblutungen, die oft mit Eisenmangelanämie und Müdigkeit vergesellschaftet sind, verhindert werden.